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Verbot von Wildtieren in Zirkussen

Text? In der lokalen Stadtzeitung (LN) wurde über eine Abstimmung der Lübecker Bürgerschaft berichtet, dem Bericht zufolge hat die Bürgerschaft mit 31 zu 27 Stimmen ein Auftrittsverbot für Zirkusse mit Wildtieren in Lübeck beschlossen. „Wir werden uns in Lübeck einklagen“, kündigt Sascha Grodotzki, Sprecher des „Zirkus Charles Knie“ direkt im gleichen Bericht an, womit der Drops sehr wahrscheinlich noch nicht gelutscht ist.

Wir begrüßen jedoch die Entscheidung der Bürgerschaft und werden den weiteren Verlauf dieser Debatte verfolgen und im Blog teilen.

- Zeitungsartikel der Lübecker Nachrichten


Lübeck – Was auf Bundesebene nicht gelang, versucht die Stadt nun mit einem kommunalen Verbot durchzusetzen.

„Das ist ein Super-Schritt der Lübecker“, sagt Peter Höffken, Kampagnenleiter bei der Tierschutzorganisation „Peta Deutschland“. „Wir werden uns in Lübeck einklagen“, kündigt Sascha Grodotzki, Sprecher des „Zirkus Charles Knie“ an. Die Bürgerschaft hatte mit 31 zu 27 Stimmen ein Auftrittsverbot für Zirkusse mit Wildtieren beschlossen. Die Verwaltung wurde beauftragt, bis Ende August eine entsprechende kommunale Satzung auszuarbeiten. Rückt ein Unternehmen mit Affen, Elefanten, großen Bären, Giraffen, Nashörnern, Flusspferden, Seelöwen oder Raubkatzen an, darf die Stadt keine Flächen mehr dafür bereitstellen. Außerdem sollen städtische Betriebe die Werbung von Zirkussen nicht mehr unterstützen.

„Zirkusveranstaltungen verbinden wir mit lachenden Menschen, sich freuenden Kindern und großartigem Spaß für die ganze Familie“, sagt Hans-Jürgen Martens, Fraktionsvize der Linken, die sich für das Auftrittsverbot stark gemacht haben. Die Realität seien Elefantenhaken, Peitschen und Elektroschocker, Bewegungslosigkeit und Langeweile für viele Tiere, erklärt der Politiker. „Tiere abzurichten, damit Menschen sich an deren Kunststücken erfreuen, ist gegen die Natur der Tiere“, erklärt Barbara Scheel (SPD), deren Fraktion das Auftrittsverbot mit trägt. Es gebe genug Zirkusse, die ohne Wildtiere glänzende Aufführungen zustande brächten, sagt die SPD-Politikerin: „Wir Menschen dürfen mit unseren Mitbewohnern auf diesem Planeten nicht so umgehen.“

Das sei „völliger Blödsinn“, ereifert sich Bruno Böhm, Fraktionschef der Freien Wähler. „Viele Wildtiere werden im Zirkus geboren und von Anfang an trainiert“, berichtet Böhm, der sicher ist, dass viele Zirkusse die Hansestadt künftig meiden werden. Bei einem Auftritt des Zirkus Krone im vergangenen Jahr hätten Politiker sich persönlich von der einwandfreien Tierhaltung überzeugt. Erschreckend sei dagegen der martialische Auftritt von Linken-Politikern vor dem Zirkuszelt gewesen, erinnert sich Böhm. Die Wählervereinigung BfL sieht Wildtiere bei den meisten Unternehmen ebenfalls in guten Händen. Wenn Zirkusse durch Auftrittsverbote weniger Geld einnehmen würden, „leiden darunter als erstes die Tiere“, kritisiert BfL-Politikerin Astrid Stadthaus-Panissié. Die CDU ist von der Wildtierhaltung nicht begeistert, lehnt aber ein Verbot durch die Stadt ab, erläutert Bürgerschaftsmitglied Rüdiger Hinrichs. Ein Dutzend deutscher Städte habe ein kommunales Verbot erlassen, schätzt die Tierschutzorganisation Peta (siehe rechts). „Dressur ist bei Elefanten nicht ohne Gewalt möglich“, sagt Kampagnenleiter Peter Höffken, „und die meisten Tiger müssen auf zwölf Quadratmetern leben.“

Der „Zirkus Charles Knie“ hat schon in mehreren Städten den Auftritt vor Gericht durchgesetzt. „Die kommunalen Satzungen halten vor den Verwaltungsgerichten nicht stand“, sagt Sprecher Sascha Grodotzki, „wir haben immer gewonnen.“ Drei Elefanten und zwei Seelöwen führt das 1995 gegründete Unternehmen mit sich. 50 Mal im Jahr würden Veterinärämter aus ganz Deutschland die Bedingungen überprüfen. Ein Auftritt in Lübeck ist fest geplant – in drei Jahren.